Ist nicht eigentlich alles ein Trauma ?
Sicherlich ist nicht jede Belastung oder herausfordernde Zeit im Leben eines Menschen gleich traumatisch. Zudem kann das gleiche, herausfordernde Erlebnis bei zwei Menschen ganz unterschiedliche Belastungsreaktionen zur Folge haben. Die Beantwortung dieser Frage sollte daher unbedingt persönlich – individuell getroffen, als auch diagnostisch eingeordnet werden können. Ganz grundsätzlich können wir aber festhalten Traumata kommen öfter vor als wir annehmen und werden nur weniger offen besprochen, als wir denken.
Menschen, die ein psychologisches Trauma erlebt haben, leiden oft noch lange Zeit unter den Nachwirkungen und den nicht verarbeiteten Belastungen und Spannungszuständen. Diese können in Form von innerer Unruhe, Angst – und Übererregtheit, Aggressionen, Störungen des Schlafes oder des Immunsystems, eines „Nicht zur Ruhe kommens“, Gefühlen von großer Belastung oder Trauer, in Form von Panik – und Ohnmachtsgefühlen als auch durch vermeidendes Verhalten, übersteuerter Anpassung, Rückzug und Unsicherheit sichtbar werden.
Von traumatischen Erlebnissen kann unter Anderem auch ausgegangen werden, wenn wir belastenden Erfahrungen einmal zu plötzlich – zu viel – oder auch : -zu lange – zu viel ausgesetzt waren und wir diese nicht ausreichend in unseren Lebensentwurf integrieren und verarbeiten konnten. Hierbei kann es sich auch um (frühere) Erlebnisse handeln, die nicht immer bewusst erinnert werden müssen, die sich jedoch durchaus aber körperlich (somatisch) oder emotional – geistig (psychisch), in unserem Verhalten und in unseren Beziehungen zu Uns und mit Anderen heute zeigen können.
Wenn auch Sie belastende Kontaktschwierigkeiten, zwanghaftes Verhalten, Grübeln sowie Gedankenkreisen und impulsive Wut kennen und / oder das Gefühl haben, immer wieder starker emotionaler Überwältigung ausgesetzt zu sein, sowie aufkommende Gefühle nur schwer oder kaum regulieren zu können, dann könnte es Hinweise darauf geben, dass es für Sie einen Entlastungsbedarf gibt, den Traumatherapie gut leisten kann.
Auch anhaltende Traurigkeit, Gewissensangst und Scham – und Schuldgefühle, plötzlicher Ekel oder Erstarrungsgefühle sowie „Flash backs“ können Hinweise auf traumatische Erfahrungen geben. Einige Menschen berichten oft von emotionalen Überflutungsgefühlen, depressiven Verstimmungen und einer generell erhöhten Reizbarkeit. All das sind Belastungen, die mit einer Vielzahl von körperlichen Symptomen auftreten und als sehr belastend empfunden werden können. Auch somatische (körperliche) Beschwerden oder Schmerzen ohne einen medizinischen Befund können sich in diesem Rahmen zeigen und zu einem großen Leidensdruck und Verunsicherung führen. Für viele Menschen ist es dann oft nicht mehr möglich, sich sicher im eigenen Körper und in der Welt zu fühlen, was Auswirkungen auf die Anbindung an das eigene Gefühl und die Fähigkeiten zur Verbindung mit dem Außen und in den nahen Beziehungen haben kann.
Können wir die für uns einst überfordernden und bedrohlichen Erfahrungen nicht wieder ausreichend verarbeiten und in unser Leben integrieren oder erleben wir, dass sich unser einstmaliger Schrecken verkörpert, hat dies perspektivisch sogar ganz konkrete Auswirkungen auf unseren Körper, unser Gehirn und Nervensystem, unsere Wahrnehmung, unsere Empfindungsfähigkeit und unser Denken.
Wir können dann von einer akuten, vorübergehenden Belastung zu einer posttraumatischen Belastung kommen. Der Kern der posttraumatischen Belastungsstörung ist die noch nicht stattgefundene Verarbeitung und Integration des Ereignisses in das Erinnerungssystem unseres Gehirns und unseres Körpers, welches erlebte Ereignisse in einem Raum-Zeit Rahmen einordnet.
Dies hat dann zur Folge, dass Teile des Traumas im hier und jetzt emotional, sensorisch (empfunden) und körperlich (somatisch) wiedererlebt werden können und wir so – unbewusst den Fokus immer wieder in die vergangenen, traumatischen Erlebnisse und Erfahrungen lenken.
Ein Trauma ist heilbar.
Und auch wenn Ihre eigenen Selbstheilungskräfte vielleicht nicht immer zuzuordnen oder verlässlich erreichbar erscheinen, sind sie doch zu jeder Zeit da und vorhanden.
Traumatisches Erleben hatte einstmals den Verlust der Verbindung zu uns – unserem Körper und unserer Sicherheit und Orientierung zur Folge. Auch die Beziehungen zu den uns nahen Menschen und Familien, der Welt in der Wir leben werden von unseren traumatischen Erfahrungen berührt und oft nachhaltig gestaltet. Begegnen wir unserem (verkörperten) Schrecken heute immer wieder, dann fehlt uns an dieser Stelle vor allem häufig heute noch die sichere Verbindung zu uns und mit uns Selbst.
Trauma – Aufarbeitung bedeutet den Aufbau dieses einstmals verlorenen Zugangs der Sicherheit in und mit uns und unserem Körper. Auf der Grundlage dieses zurück gewonnenen Vertrauens, der daraus aufbauenden Sicherheit und der Orientierung in Verbindung mit unseren Erinnerungen, können wir diese wieder neu, gegenwärtig empfinden und für uns neu bewerten, verändern und in unser Leben integrieren.
Diese Verbindungen zu Uns behutsam wieder für sich zu entdecken ist heilsam und ein sehr persönlicher Prozess, der wieder in die eigene Lebendigkeit und in das Selbstvertrauen, unsere eigene Sicherheit führen kann.
Wie kann das gehen?
In der Traumatherapie aktivieren Sie die Ihnen zugrundeliegenden und angeborenen Fähigkeiten zur Selbstheilung und Selbstregulation und stärken das Vertrauen zu Ihrer Wirksamkeit, Ihren persönlichen Grenzen und Ihren Wahlmöglichkeiten. Hierbei bildet Ihr wieder gewonnenes Vertrauen, oftmals die Grundlage zu Sicherheit und Freiheit in Ihrem ganz persönlichen Sinne und in Ihrem lebendigen Lebensentwurf.
Ich unterstütze Sie hierbei behutsam stabilisierend und orientierend, um mit diesen persönlichen Kräften wieder in Verbindung zu kommen.
Therapierahmen und Ablauf:
Das Ziel einer individuellen Traumatherapie ist natürlich immer persönlich und richtet sich nach den vereinbarten Zielen im therapeutischen Prozess. Eine wichtige Basis des traumazentrierten Ansatzes ist es zunächst, die Verbindung zu Sich Selbst und dem Gefühl der Sicherheit, der Orientierung und Perspektiven in Ihren aktuellen Lebensumständen zu fördern. Wenn diese ersten Schritte gelingen, können sich diese Qualitäten erfahrungsgemäß auch in ihrem eigenen Körperempfinden weiter entwickeln. Die Verarbeitung des Schreckens ermöglicht es sicher(er) und stabil im „Hier und Jetzt“ sein zu können sowie das Erlebte so zu integrieren, dass die Erinnerungen traumatischer Gefühlszustände und alter Ohnmachtsgefühle eingeordnet und durch Sie selbst gut begleitet werden können.
Trauma ist hierbei nicht gleich Trauma. Grundsätzlich wird zwischen Schocktrauma und Entwicklungstrauma unterschieden.
Neben der ausführlichen, traumatherapeutischen Diagnostik widmen wir uns der Ausarbeitung Ihrer vorhandenen Ressourcen. So können Sie ein Gefühl und einen Überblick für Ihre bereits vorhandene Sicherheit und Ihren persönlichen Quellen der Kraft bekommen.
Die Grundlage meiner traumatherapeutischen Arbeit beruht auf fundiertem Wissen über serielle Traumatisierungen, insbesondere Bindungs- und Entwicklungstraumata. Abhängig von Ihren individuellen Bedürfnissen haben sich verschiedene traumaspezifische Methoden als besonders wirksam erwiesen. Dazu zählt der NARM®-Ansatz, neben klassischen traumatherapeutischen Verfahren. Ebenfalls bewährt haben sich neurovisuelle Techniken wie EMDR® und Brainspotting®, sowie methodische Verfahren wie PITT® und TRIMB®. Körperorientierte Ansätze, wie die sensumotorische und somatische Psychotherapie und Polyvagaltherapie, ergänzen das Behandlungsspektrum was Ich Ihnen für Ihre Aufarbeitung zur Verfügung stellen kann.
Dies soll an dieser Stelle als ein allgemeiner Überblick zu den Möglichkeiten einer persönlichen Arbeit darstellen. Welche dieser Methoden für Sie stimmig sind ergibt sich aus dem therapeutischen Prozess heraus. Ganz grundsätzlich gilt für mich: Die Basis einer jeden guten therapeutischen Arbeit ist die persönliche Beziehung zwischen Therapeut: in und Klient:in. Aus diesem Grund lernen wir uns vor dem Beginn einer Therapie kennen und entscheiden ob und wie wir uns eine gemeinsame Zusammenarbeit vorstellen können.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf dieser Webseite unter WISSEN und dort auf meinem Blog und Podcast.